Sonntag, 6. März 2011

Angekommen

Wie die meisten von euch bereits wissen, bin ich gut in Indien angekommen. Für alle anderen hiermit nun noch die offizielle Meldung.

Die Hinreise war entspannt und der Kingfisher Airlines-Flug nach Mumbai sogar spritziges Erlebnis:Auf meine Nachfrage nach einem Bier bekam ich prompt ein kühles (und leckeres!) Kingfisher Premium-Bier serviert. Eine Airline mit eigenem Bier? Wie sich später herausstellte doch andersrum. Kingfisher ist die Marke der größten Brauerei des Landes, die seit ein paar Jahren logischerweise auch eine Airline betreibt...
Aufgeklärt wurde ich vom 66-jährgen Inder Bimalesh, einem aufgrund seines Jobs sehr bereisten Schiffbauingenieurs, der für die nächsten 9 Stunden mein Sitznachbar sein sollte. Auch im eigenen Land viel herumgekommen hat er mir gleich noch ein paar wertvolle Tips und Reisevorschläge an die Hand gegeben und mich auf ein Bier in seine Heimatstadt in Goa eingeladen (Goa, das ich früher fälschlicherweise für einen Ort hielt, ist nämlich ein eigenes Bundesland, das kleinste Indiens).


Angekommen am Flughafen, ging es erstmal zwecks Stadtplan zur ansässigen Touri-Info und damit zur nächsten Überraschung: auf die Frage, was die britischen Pauschaltouristen da ausfüllen, bekam ich ein Formular in die Hand gedrückt und nach erfolgreicher Abgabe die "All India Liquor Permit" in die Hand gedrückt. Ein Papier, das mich dazu berechtigt, in ganz Indien Alkohol zu kaufen, zu transportieren und zu konsumieren. Großartig! Aufgrund der Religion herrscht in einigen Bundesländern Prohibitionismus, welcher jedoch für nicht-Inder mit einer solchen Erlaubnis ausgesetzt wird.

Also mit Karte, Alkoholschein und Gepäck dann ins vorbezahlte Taxi zum nächsten Erlebnis: Nichtmal 10 Sekunden nachdem wir losgefahren waren, wollte der Fahrer 100 Rupien (ungefähr 1,60€) Bakschisch, damit er eine neue, bezahlpflichtige Umgehungsstraße ins Zentrum nimmt und nicht über den verstopften Highway fährt - Lehrgeld, die Erste. Den schnellen Weg hätte er so oder so genommen, war ja schon im Voraus bezahlt...

Auf dem Weg dann die ersten Eindrücke:

Warm! 32 Grad knallende Sonne im unklimatisiertes Taxi angericht garniert mit etwas Stau = Transpiration! Aber lieber schwitzen als frieren, nicht wahr?

Bunt! Im Gegensatz zu den grauen Wellblechhütten der Slums und Bürotürmen der Unternehmen stehen die knalligen Farben der Saris (das traditionelle Kleidungsstück der Inderinnen in allen erdenklichen Farben) und das allgegenwärtige Grün der Palmen und Parks in der Stadt. Fur eine Riesenmetropole mit geschätzten 14 Millionen Einwohnern (so genau weiß das niemand) ist die Stadt erstaunlich pflanzenreich.

Laut! Hupen - der Lieblingssport der Inder (vermutlich noch weit vor Cricket)! Die gesamte Fahrt bestand daraus: Ein- bis dreimal kurz hupen zum Überholen und Verscheuchen etwaiger Hindernisse im eigenen Fahrtweg (Fußgänger, Radfahrer, Handkarren, Rickschas, und anderer Fahrzeuge). 3 - 30 Sekunden langes Dauerhupen bedeutet soviel wie "Alter, fahr doch da vorne!!!" oder "Maaaan, mach endlich Platz!!!"

Chaotisch! Rote Ampeln dienen als Richtwerte, Seitenspiegel werden scheinbar nur optional verkauft und Rückspiegel sind ein überflüssiges Accessoire. Zurückgeschaut wird nur, wenn jemand hinten reingekracht ist. Es passiert auch schonmal, dass der Vordermann unerwartet auf der Straße anhält und das eigene Taxi nach Vollbremsung gefühlte 2 Millimeter dahinter zum Stehen kommt. Und weiter gehts.

Gegensätzlich! An Sterne-Hotels und verglaste Hochhäuser grenzen unmittelbar die Slums, aus einer Wellblechhütte in eben solchem kommen strahlend weiße Hemden und knallbunte Saris herausgelaufen. Auf dem Gehweg neben einer Luxuslimousine, in der der Chauffeur ein Nickerchen hält schläft eine abgemagerte Frau mit ihren beiden Kindern. Und bei den weggeworfenen Essensresten verjagt die Katze die Hunde.

Freundlich! Abgesehen davon, dass alle meine Freunde sind ("Hey, my friend, need taxi?", "Yes, friend, come look!") und man wie in jeder Touristengegend damit rechnen muss, abgezockt zu werden, sind die Inder doch allgemein ein sehr offenes und freundliches Völkchen. Die Leute sprechen einen auf der Straße an, wollen Fotos mit mir machen und vor Allem: Lächeln! Jeder hilft wo er kann und sei es nur ein freundliches Hochziehen der Mundwinkel, wenn der Gegenüber auch mal keine Ahnung hat.


Am Ende der Fahrt: Das "Salvation Army Hostel" der "Heilsarmee, dem wohl einzigen Hostel in ganz Mumbai und damit Auffanglager für sämtliche Backpacker mit kleinem Budget. In den folgenden Tagen ging es dann daran mit neuen Bekanntschaften die Stadt zu erkunden und erst einmal im indischen Trubel anzukommen.

Mittlerweile sitze ich am Strand in Goa und genieße das "low life" - die Sonne genießen, mich in die Wellen stürzen, viel lesen, lecker essen und einfach nur sein! Kurzum: mir geht bestens! :-)

Sonnige Grüße,
Chris

Die Bilder aus Mumbai findet ihr hier: Incredible!ndia

2 Kommentare:

  1. cool! wie lange bleibst du denn in mumbai?

    AntwortenLöschen
  2. Chris, ich bin todesneidisch! Genieß die Zeit und bring uns ein bißchen Sonne mit!

    AntwortenLöschen

Hey, hier könnt ihr euren Senf loswerden.
Bei "Kommentar posten als" einfach "Name/URL" auswählen und euren Namen eintragen. URL könnt ihr weglassen. Gruß, Chris